Adler im Reich der Drachen
Freiheit in den Lüften für ein paar Tage im Land der Verbote

Adler im Reich der Drachen

Ultraleicht-Flugweltmeisterschaften in China:
Österreichisches Team auf dem Siegerpodest!


Es war schon ein unglaubliches Bild, was sich da dem einfachen Bodenvolk im Herbst letzten Jahres in der Nähe von Chinas Hauptstadt Peking über den Ming-Gräbern bot. Als gut 100 Freigeistler mit ihren 30m2 großen ’Tüchern’ und einem Motor am Rücken kreuz und quer durch die chinesischen Lüfte turnten. Da kam die einheimische Bevölkerung aus dem Staunen nicht heraus, was sich hier über ihren Köpfen abspielte! Und alles ganz offiziell, über eine Woche lang - bei den FAI Microlight Paramotor Weltmeisterschaften!

Die letzten Ultraleicht-Weltmeisterschaften, die WORLD MICROLIGHT CHAMPION-SHIPS 2007, wurden zum ersten Mal in zwei verschiedenen Veranstaltungsorten und zu unterschiedlichen Zeitpunkten ausgetragen. Die Teilnehmer der UL-Klassen mit den FAI-Bezeichnungen RWL1 / RWL2 (ein- und doppelsitzige Hängegleiter-Trikes) und RAL1 / RAL2 (ein- und doppelsitzige 3-Achser) kamen im August imtschechischen Usti nad Orlici zum Einsatz und die Piloten der Klassen RPF1 / RPF2 (Motorschirme Solo und Tandem) und RPL1 / RPL2 (ein- und doppelsitzige Paratrikes) wurden für den September ins 8000 km entfernte China gerufen.

Ein österreichischer Pilot bei UL-WM!

Während die WM in der Tschechei ohne österreichische Beteiligung über die Bühne ging, konnte der Aeroclub für den ’FAI 1st Category-Event’ in Asien eine Nominierung abgeben:
und mit dem Piloten Helmut Stern zudem seinen potentiellen Medaillen-Kandidaten. Der Tiroler ist seit 2002 in der Klasse der doppelsitzigen Paratrikes im internationalen Ergebnis-Ranking die Nummer 1 und schon beim vierten internationalen Großereignis für das österr. Nationalteam nominiert. „Eigentlich wollte ich ja auch zur WM in der Tschechei fahren und mit meiner Co-Pilotin Uli Herbig hier in der Festflügel-Klasse teilnehmen, was zeitlich, 14Tage vor China, gut gepaßt hätte. Da in allen Ultraleicht- Kategorien die Aufgabenstellungen ziemlich identisch sind und alles nach einem einheitlichen Reglement, dem FAI Sporting Code 10, abgewickelt wird, wäre es für Uli und mich außerdem ein sehr gutes und wichtiges Training für den WM in China gewesen, da wir als Team ja noch keine gemeinsamen Wettkampf-Einsatz geflogen sind. Aber leider bekam ich vom ÖAeC nicht die Freigabe dafür”, berichtet Stern, der mit über 2000 Flugstunden, sowie Fluglehrer-Lizenzen in allen 5 UL-Klassen und als PPL-Inhaber zu den erfahrensten und erfolgreichsten Ultraleicht-Piloten Österreichs zählt. Aber niemand anderer, von den insgesamt 130 in Österreich registrierten UL-Piloten, hatte sich für eine Teilnahme an dieser WM interessiert. Schade, somit waren bei diesem internationalen Flug-Event die Farben Rot-Weiß-Rot leider nicht vertreten.


Als ein Regime mal Pause machte....

.... da konnten dann in China im vergangenen September über 100 Flugsportler aus aller Herren Länder und die einheimischen Piloten eine Freiheit erleben und ausleben, wie es sie in diesem Land bis dato davor nicht gab - und vermutlich auch nicht wieder geben wird. 10 Tage ’Freiheit der Lüfte’ und das zudem noch mit einer absoluten Krönung: der offiziell genehmigte Flug für diese Motorschirmflieger über das Nationalheiligtum im Reich der Mitte, der Chinesischen Mauer - mit 6700 km Länge das größte Bauwerk der Welt und seit 07.07.2007 auf der Liste der neuen ’Sieben Weltwunder’!

Erstmals in der Geschichte Chinas fand mitten im Herzen des Riesenreiches mit den „5th FAI PARAMOTOR WORLD CHAMPIONSHIPS 2007” eine motorisierte Flugveran-staltung dieser Art statt. Das jedoch nur Dank der heurigen Olympiade in Peking. Es ging nämlich im Vorfeld zu dieser Olympiade der Auftrag an alle Sportverbände Chinas, internationale Bewerbe ins Land zu holen, um vor allem organisatorisch ’Olympia-Fit’ zu werden. Muß ja auch alles perfekt sein, wenn sich der Blick der Welt dann im August 2008 für sportliche Höchstleistungen ins Land des unglaublichen Wirtschaftswunders richtet. Mit entsprechenden Fördermitteln und besonderen Freigaben wurde dieses Programm von der kommunistischen Volksregierung entsprechend unterstützt.


Nur zwei UL-Fluggebiete auf 9,5 Mio. km2

In Sachen Flugsport sind es im gesamten Land tatsächlich nur zwei Plätze, wo man mit Paragleitern, Rückenmotorschirmen, Paratrikes und Hängegleiter-Trikes offiziell fliegen

darf: hier im WM-Austragungsort Shinsanling, 80 km nördlich von Peking, und in Linzhou,
500 km südlich. Wobei es aber für Festflügel (dreiachsgesteuerte Leichtflugzeuge) und für Gyrocopter (Tragschrauber) in ganz China noch keine Fluggenehmigung gibt. Und selbst auf diesen beiden offiziellen Fluggeländen haben die einheimischen Piloten mit strengen Auflagen und großen Einschränkungen zu kämpfen: eine Flughöhe von 200 Meter über Grund darf nicht überschritten werden und das Fluggelände ist mit einem Radius von 4 Kilometer vom Start/Landeplatz aus begrenzt - gilt für die Paragleiter und Motorschirmpiloten. Die Hängegleiter-Piloten des ’Flying Dragon’-Teams dürfen überhaupt nur rund um den See von Shinsanling herumfliegen, der gerade mal eine Fläche von 2 km² aufweist. Und hält sich nur ein Pilot nicht an diese Bestimmungen und Regeln, dann hat dies sofort recht heftige Restriktionen zur Folge. So wurde z. B. vor 3 Jahren, nach dem Flug eines Paragleiter-Piloten auf 2800 Meter Höhe, gleich das ganze Fluggebiet gesperrt und ein einjähriges Flugverbot für Alle verhängt. Insgesamt gibt es in China zur Zeit 300 Sportpiloten, davon 65 Ausländer.


FAI unter permanentem Druck

Die Veranstalter dieser Weltmeisterschaft, immerhin auch der chinesische Aeroclub, hatten bis fast 2 Monate vor Beginn noch keine Freigabe für den notwendigen Luftraum zur Durchführung der Wettkampfflüge, und eine Genehmigung wäre von der Luftfahrtbehörde auch nie erteilt worden, wäre dieser internationale Event nicht in einem anderen Ministerium im vorolympischen Programm der Spiele 2008 in Peking gelistet gewesen. Aber das täglich für jede Wettkampfaufgabe erforderliche Okay aus der Pekinger Machtzentrale wurde für die WM-Organisatoren und dem Competition Director jedesmal ein ’Gang nach Canossa’. Öfters mußten dann geplante Flugaufgaben aufgrund von neuen Einschränkungen des Flugfensters wieder verändert und neu gebrieft werden. Und das ergab nicht nur einmal für Orga-Crew und Wettkampfteilnehmer schier unzumutbare Zeitabläufe.

Geduld und Verständnis wurde oft bis an die Grenzen strapaziert. Und der Toleranz-Spielraum, damit die Erfordernisse laut FAI Sporting Code regelkonform umgesetzt werden können, mußte stetig erweitert werden. Bei den Teamleader-Briefings in Überlänge gingen dann auch regelmäßig bei Piloten-Vertretern die Emotionen durch. Ja, man bekam es hier deutlich zu spüren, dass auch ein internationaler Sportevent der FAI (Fédération Aéronautique Internationale) in China zum Spielball der Macht wird. Mit jedem Tag wurden den FAI-Mannen und den Sportlern die Federn durch die Oberen des Milliardenreiches etwas mehr gestutzt. Aber dafür gab’s opulente und farbenprächtige Eröffnungs- und Schlußfeierlichkeiten mit einer Unzahl von Beteiligten, die minuziös und punktgenau vor den Augen Dutzender Funktionäre abgespult wurden.



Team Austria mit einigen Handicaps

Das österreichische Duo Stern/Helbig konnte bei dieser WM zwar gleich den ersten Wettkampfflug mit einem Sieg und 1000 Punkten feiern, hatten aber dann in der Folge gegen ihre unmittelbaren Konkurrenten auf den WM-Titel, dem spanischen und tschechischem Team, keine Chance mehr. Dafür war auch das schwere Paratrike der Österreicher gegenüber den leichten Fluggeräten mit den Hochleistungsschirmen der anderen Teilnehmer nicht konkurrenzfähig genug. „Außerdem flogen wir diese WM mit einem Leihgerät des hiesigen Fliegerclubs, weil die Transportkosten von Europa nach China für so ein 200 kg schweres Paratrike einfach zu hoch waren. Und wenn man mit dem Gerät nicht 100% vertraut war, geht man das Ganze automatisch etwas vorsichtiger an, speziell bei den ’Precision-Tasks’ mit den Slalom-Bewerben knapp über Grund. Auch kannte ich diesen Motor mit seinem Benzinverbrauch nicht genau. Das kostete uns einmal gut 900 Punkte, weil uns bei einem ’Economy-Task’ 2 km vor dem Ziel der Benzin ausging und wir in einem ausgetrocknetem Flußbett notlanden mußten.” berichtet Stern über den China-Einsatz. Zwar konnte das TEAM AUSTRIA bei den andern 8 Tasks noch zweimal mit 2. Plätzen gut punkten, aber dann noch ein weiteres Null-Ergebnis (aufgrund eines falsch verstandenen Signals von einem Marschall) und die Spanier und Tschechen flogen zum Finale den Österreichern mit den Punkten davon. Aber ein Podestplatz blieb am Ende für das rot-weiß-rote Duo Stern/Herbig.


Die Magie der Mauer überragte

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge wurden diese Flugweltmeisterschaften nach 10 Tagen von den sehr geduldigen Teilnehmern, sowie den hart geprüften Organisatoren schlußendlich doch noch für alle zufriedenstellend beendet. Mit offiziellen WM-Wertungen in den FAI Microlight Klassen „RPF1/RPF2” (Rückenmotorschirme Solo und Tandem) und „RPL1/RPL2” (ein- und zweisitzige Paratrikes) auf insgesamt 101 Fluggeräten. Und diese WM wird wahrscheinlich trotz all der organisatorischen Schwierigkeiten im Vorfeld und der Handicaps vor Ort als ein Highlight in der Geschichte der Ultraleicht-Wettkämpfe eingehen. Auch wenn die Wettkampfaufgaben aufgrund der Einschränkungenvon seiten des Regimes bezüglich der Flugdistanzen kürzer als sonst ausfielen, waren es trotzdem sehr selektive und spannende Flugwettkämpfe - mit beeindruckenden fliegerischen Leistungen der Piloten.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge wurden diese Flugweltmeisterschaften nach 10 Tagen von den sehr geduldigen Teilnehmern, sowie den hart geprüften Organisatoren schlußendlich doch noch für alle zufriedenstellend beendet. Mit offiziellen WM-Wertungen in den FAI Microlight Klassen „RPF1/RPF2” (Rückenmotorschirme Solo und Tandem) und „RPL1/RPL2” (ein- und zweisitzige Paratrikes) auf insgesamt 101 Fluggeräten. Und diese WM wird wahrscheinlich trotz all der organisatorischen Schwierigkeiten im Vorfeld und der Handicaps vor Ort als ein Highlight in der Geschichte der Ultraleicht-Wettkämpfe eingehen. Auch wenn die Wettkampfaufgaben aufgrund der Einschränkungenvon seiten des Regimes bezüglich der Flugdistanzen kürzer als sonst ausfielen, waren es trotzdem sehr selektive und spannende Flugwettkämpfe - mit beeindruckenden fliegerischen Leistungen der Piloten. Durch die vorherrschende Hochdrucklage konnte täglich geflogen werden. Temperaturen von 35 Grad und die enorme Luftfeuchtigkeit von fast 100% machten sich zwar bei den Motorleistungen stark bemerkbar, aber für die Wettkampfteilnehmer selbst waren es die ganze Zeit angenehme Bedingungen in bzw. über einer wirklich beeindruckenden Landschaft. Laufende Programmänderungen und das Chaos bei den Auswertungen tatem dem Spaß und der Wettkampffreude bei den Sportlern aus der ganzen Welt in all diesen Tagen jedenfalls keinen Abbruch. Und jeder wußte, nun einem ganz elitären Zirkel anzugehören! Denn wer hatte bis dato schon die Chance in China offiziell fliegen zu dürfen? Und das zudem mit der sehr exklusiven Aussicht von oben über das Bollwerk der chinesischen Mauer und den imposanten Grabanlagen der Ming-Dynastie! Ein besonderes Privileg, das auch die 110 Teilnehmer aus 21 Nationen zu schätzen wissen. Eine Erinnerung an eine Weltmeisterschaft mit einem fliegerischen Erlebnis, welches für jeden Piloten wohl unvergesslich bleiben wird. Und besonders hier: stark verbunden mit dem Gedanken der Freiheit und der Macht des Willens.










Vierte Medaille für Stern in Folge


Auch das TEAM AUSTRIA zog eine positive Bilanz: „Es war wirklich beeindruckend. Die Flüge über die Ming-Gräber und die Mauer, einfach sensationell. Und am Schluß dann noch mit einer WM-Medaille nach Hause reisen zu können, das ist schon was besonderes. Zwar waren diese Tage auch sehr anstrengend und am entsprechendem Nervenkitzel mangelte es dabei ebenfalls nicht. Vor allem dann, als Navigationsaufgaben mit beschränkter Benzinmenge vorwiegend über das Stadtgebiet von Changping zu fliegen waren, in einer maximalen Höhe von 300 Meter und das ohne wirkliche Notlandeplätze. Einmal ging es gut für uns aus, aber einmal nicht so, wie wir das wollten!” erzählt Co-Pilotin Uli Herbig. Eine WM-Medaille war das erklärte Ziel des Teams und das haben sie nun geschafft. Und für Helmut Stern ein weiterer großer Erfolg für seine beeindruckende Bilanz der letzten 5 Jahre: eine Medaille bei jedem internationalen FAI-Event, wo er für Österreich an den Start ging: Gold bei der EM in Ungarn 2002, Silber bei der WM in England 2003, Bronze bei der WM in Frankreich 2005 und nun auch Bronze bei der WM in China 2007. Damit ist der in Ungarn lebende Tiroler Österreichs erfolgreichster Motorflugsportler. Stern’s Resümee: „Die Teilnahme an dieser WM in China war alles andere als einfach. Vor allem organisatorisch und vom Kostenfaktor her sehr aufwendig. Wir hatten zwar einen neuen Schirm, aber den Kompromiß mit dem Leihgerät vor Ort mußten wir hier leider eingehen. Um mit der Spitze mithalten zu können braucht es aber neben einem guten Team auch die entsprechende Ausrüstung. Wir haben das Optimum herausgeholt. Und ohne die finanzielle Unterstützung der Forever Young-Hotels, der Firma Holz Sandbichler, sowie dem Fliegerclub Q’TAI FLY und dem Österr. Aeroclub wäre die WM-Teilnahme und dieser neue internationale Erfolg nicht möglich gewesen!”

Anmerkung: Tolle und beeindruckende Bilder von dieser Flug-Weltmeisterschaft in China sind noch auf dem WM-Blog und in der WM-Bildgalerie des TEAM AUSTRIA zu finden

http://ul-wm2007.blogspot.com/ und http://picasaweb.google.de/ulli1968/Wpc07?authkey=CIE1XVUODUE

Alle Resultate auf: www.flymicro.com/comps.cfm/WPC07


Ergbenisse:

Class PL2 (paratrike / 2 seat) Updated 12 Sep 2007 Pos.Name [Nation]Score
Gold Nino MUELAS PEÑA / Antonio Lope MORALES GONZÁLEZ [ESP] 6369
Silver Jiri SRAMEK / Antonin KULISEK [CZE] 5885
Bronze Helmut STERN / Ulli HERBIG [AUT] 3982


Class PL1 (paratrike / 1 seat) Updated 12 Sep 2007 Pos.Name [Nation]Score
Gold Daniel CRESPO VALDÉZ [ESP] 5605
Silver Tomasz KUDASZEWICZ [POL] 5356
Bronze Michaela MACHARTOVÁ [CZE] 4713


Class PF2 (paramotor / 2 seat) Updated 12 Sep 2007 Pos.Name [Nation]Score
Gold Jurgis SMARLOVSKIS / Arturas SMARLOVSKIS [LTU] 5621
Silver Piotr KRUPA / Magdalena DZIOK [POL] 5568
Bronze John KEMP / Tom KEMP [GBR] 5395


Class PF1 (paramotor / 1 seat) Updated 12 Sep 2007 Pos.Name [Nation]Score
Gold Ramon MORILLAS [ESP] 6354
Silver Mathieu ROUANET [FRA] 6077
Bronze Michel CARNET [ GBR] 5744

Team Updated 12 Sep 2007 Pos.TeamScore
Gold Spain [ESP]
Silver Czech Republic [CZE]
Bronze Poland [POL]
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7. Austria [AUT]
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Bild 1: Bronze für Österreich. Der Tiroler Helmut Stern und die Wienerin Uli Herbig erflogen sich die Bronze-Medaille bei den „PARAMOTOR WORLD CHAMPIONSHIPS 2007” in China, nach 7 harten Wettkampftagen im Reich der Mitte. (Foto: stern-press)

Bild2: Punktlandung. Mit stehendem Motor aus 150 Meter Höhe in einen Kreis von 6 Meter Durchmesser landen, die erste Bodenberührung eines Rades zählt: 500 Punkte auf dem roten Punkt - außerhalb der Kreise 0 Punkte. Das TEAM AUSTRIA punktet. (Foto stern-press)
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