Helden der Lüfte - 53. Gordon Bennett Gasballonrennen 2009
Das Österreichische Team beim Gordon Bennett Gasballonrennen 2009 in Genf, Gerald Stürzlinger (Salzburg) mit Copilot Niki Binder (Wien), sind die Helden der Lüfte, so die Titelgeschichte der algerischen Medien.

Geschichte des Gordon Bennett Gasballonrennens

Das Gordon Bennett Gasballonrennen ist eine bedeutende Veranstaltung der Luftfahrt und eine Herausforderung für die erfahrensten Gasballonpiloten aus der ganzen Welt. Das Ziel ist einfach: alle Gasballone starten an einem gemeinsamen Startplatz, wer die größte Entfernung zurücklegt ist Sieger.
Die Geschichte des Gordon Bennett Gasballonrennens ist eine Geschichte voller Abenteuer, Geschicklichkeit, Mut und Glück. Vergleichbar ist es mit dem America’sCup: Ausdauer, Taktik, mentale Stärke und Wissen über Wind und Wetter sind der Schlüssel zum Erfolg.

Daten Gordon Bennett Gasballonrennen:

Größte zurückgelegte Entfernung: 3400km (2005, Berben/Siméons, Belgien)
Längste Fahrtzeit: 92 Stunden (1995, Eimers/Landsmann, Deutschland)
Österreichische Sieger: 1985 - 1990 Starkbaum/Scholz, 1993 Starkbaum/Röhsler

53. Gordon Bennett Gasballonrennen 2009

Der Start fand am 5. September 2009 in Genf statt. 16 Ballone aus 8 Nationen nahmen teil. Auch ein reines Damenteam aus Grossbritanien war am Start. Schon vor dem Start war klar, dass dieses Rennen viel Taktik erfordern wird: Die höheren Winde führten über Italien bis nach Griechenland, jedoch sind Ballonfahrten über Italien bei Nacht verboten.
Tiefes Fahren führte nach Frankreich und Spanien. Schwache Winde über dem Mittelmeer machten alle Vorhersagen unsicher. 60 Stunden über Wasser würden nicht einfach sein. Und den Luftraum über Italien nur bei Tag zu durchfahren wäre äußerst schwierig gewesen.

Das österreichische Team Stürzlinger/Binder hob am 5. September um 22:45 in Genf ab und fuhr wie alle Ballonteams mit dem Mistralwind mit Geschwindigkeiten bis zu 90 km/h durch das Rhonetal. In den frühen Morgenstunden erreichten sie das Mittelmeer bei Marseille.
Hier trennte sich das Teilnehmerfeld. Stürzlinger/Binder und weitere 4 Teams fuhren bis auf die Höhe kurz vor den Balearen um hier mit dem vorhergesagten Ostwind auf spanisches Festland zu kommen. Aber der Ostwind blieb aus und zwei Teams beschlossen deshalb auf der Insel Menorca zu landen. Die anderen Teams, die zeitlich später in Marseille waren, konnten hier etwas nach Westen korrigieren.
Ein Ballon traf bereits vor Marseille die mutige Entscheidung mit den Winden in 4000 Meter nach Italien zu fahren und landete kurz vor Sonnenuntergang auf Sardinien.

Abenteuer Algerien

Stürzlinger/Binder sowie das belgische und das finnische Team sind östlich an der Insel Menorca vorbei und hofften immer noch auf den vorhergesagten Ostwind. Nach zwei Tagen und einer Nacht über dem Mittelmeer, auf den Spuren von Antoine de Saint Excupéry, war klar: Spanisches Festland war nicht mehr zu erreichen. Der Kurs führte direkt nach Algerien. Algerien war aber außerhalb des Wertungsgebietes. Stundenlang kämpften die Ballone um doch noch Windschichten Richtung Westen, also Richtung Spanien, zu finden; jedoch erfolglos. Auf dem Meer vor Algerien herrschte in allen Höhen fast Windstille. Sie wussten, eine Landung in Algerien bedeutet: kein Ergebnis.Stürzlinger/Binder sind letztendlich am 7.9. 2009 gegen 17:30 an der Küste, 130km westlich von Algier, gelandet. Auch das belgische und das finnische Team sind in unmittelbarer Nähe „gestrandet“. Die algerische Luftraumüberwachung war äußerst hilfreich und kooperativ. Die Botschaften in Algier waren bereits vorher informiert worden: Denn die Teams waren ohne Visum – rein rechtlich also illegal – nach Algerien eingereist. In diesem Land nicht gerade die beste Art und Weise eines Grenzübertritts.
Der Empfang in der kleinen Ortschaft Taksbet war herzlich und es waren sofort zahlreiche hiflreiche Hände zur Stelle. Auch zwei Dolmetscher waren schnell gefunden. Jedoch dauerte die Weiterreise nach Algier etwas länger: die Botschaften organisierten Transporter und die nötigen Papiere zur Weiterfahrt – die Ausstellung der nötigen Papiere dauerte jedoch fast zwei Tage.
Mittlerweile sind die drei Teams sicher in Algier angekommen und vorausgesetzt der Papierkram ist bald erledigt, werden unsere Helden der Lüfte am Wochende nach Österreich zurückkehren.

Und der Rest der Ballonteams?

Die restlichen Ballonteams kämpften eine lange Nacht mit wenig Wind zwischen den Balearen und dem spanischen Festland; alle erreichten schließlich spanisches bzw. französisches Festland und jetzt begann das große Rennen um Kilometer. Mit dem verspäteten Ostwind fuhren einige Teams tief ins Landesinnere Spaniens. Die besten drei Teams – Frankreich, Schweiz und USA – erreichten Portugal und landeten nach über 80 Stunden Fahrtzeit kurz vor der atlantischen Küste. Ihnen war sozusagen das Land ausgegangen.
Das war das 53. Gordon Bennett 2009:

Spannend: die besten drei Ballonteams lieferten sich bis zum Schluss ein Kopf an Kopf Rennen. Hierfür war viel Geschick und Taktik notwendig. Nach über 80 Stunden Fahrtzeit trennen die besten drei Teams nur 59 Kilometer.

Rekordverdächtig: das britische Damenteam hat einen neuen Damenweltrekord Gasballon/Zeit mit über 60 Stunden Fahrtzeit aufgestellt Erstmals wurde das Mittelmeer mit einem Gasballon überquert,und dann gleich von drei Ballonen gleichzeitig.
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Abenteuerlich: Drei mutige Ballonteams haben das Abenteuer Algerien durchgestanden.

Kooperativ: sämtliche Luftverkehrsstellen waren äußerst kooperativ und hilfsbereit. Ohne deren gute Zusammenarbeit wäre ein Gordon Bennett in Europa mit sehr dichtem Luftverkehr undenkbar.
Danke an die Botschaften und die algerische Bevölkerung für ihre Hilfsbereitschaft und Kooperation. In einem Land wie diesem ein beruhigendes Gefühl.
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Bild1: Nicaero Nautilo
Bild 2 und Bild 3: Landung
Bildquelle: Wolfgang Weber
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