Grand Prix Finale 2011 auf der Wasserkuppe
Von Lothar Schwark

Mit der Vergabe des Grand Prix Finales als segelfliegerischen „Category 1-Event“ würdigt die IGC im Jahr 2011 „100-Jahre Segelflug auf der Wasserkuppe“. Vor dem ersten Start in der letzten Juliwoche finden noch einzelne Ausscheidungsrennen sog. Qualifikation GPs zum Grand Prix Finale statt. Austragungsorte sind St. Auban (Frankreich), Ghimbav- Brasov (Rumänien), La Cerdanya (Spanien), Nummela (Finnland) und Calcinate del Pesce (Italien) . Am 05. Juni 2011 steht dann die Starterliste der 20 qualifizierten Thermikjäger fest.
Das Interesse der Segelflugnationen ist groß. „Schließlich hat das Grand Prix Finale den Status einer Segelflugweltmeisterschaft“ berichtet Hanno Obermayer, der beim Grand Prix Finale das Amt des Competition Direktors ausübt.
Als perfekter und aufmerksamer Gastgeber will sich die „ Gesellschaft zur Förderung des Segelflugs auf der Wasserkuppe“ (GFS) beim Grand Prix Finale vom 23.- 30. Juli 2011 präsentieren. Neben einem reibungslosen sportlichen Ablauf will man Gästen aus aller Welt ein ansprechendes Rahmenprogramm bieten. Ca. 25 Oldtimer vom Vintage Glider Club lassen nochmals die spannende Segelfluggeschichte auf dem Traditionsberg der Segelflieger hautnah aufleben.

Denn die Wasserkuppe im Herzen Deutschlands gelegen, ist nicht nur der höchste Berg Hessens mit exzellenten thermischen Bedingungen, sondern auch der Ort der für die Geschichte des Segelfluges schlechthin steht.

Es waren Darmstädter Schüler die im Jahr 1911 mit selbstgebauten Gleitern kleine Luftsprünge von bis zu 250 Metern, an den flach geneigten Hängen der Wasserkuppe unternahmen. Bereits 1912 lag die Bestleistung bei 800 Metern, ein erster Weltrekord. Heute, hundert Jahre danach, liegt der Streckensegelflug- Weltrekord bei fast unvorstellbaren, sagenhaften 3008 km Flugkilometer (erflogen von Klaus Ohlmann in Argentinien).

An die Anfangszeit des Segelflugsports erinnert die Briefmarke '100-Jahre Segelflug auf der Wasserkuppe ' die bereits am 17. +18.1. in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.
Legendäre Rhönwettbewerbe der 30-er Jahre prägten den Segelflug maßgeblich. Mit dem Westwind im Rücken schafften die damaligen Aufwindjäger Strecken von über 500 km bis weit nach Tschechien hinein. Nachts holten ihre Mannschaften sie zurück. Im Auto wurde geschlafen, um tags darauf wieder von der Wasserkuppe abzuheben.

Pioniergeist herrschte, als die tapferen Segelflieger in Gewitterwolken eintauchten, um neue Höhenrekord zu erfliegen. Dabei mussten die Flieger auch Opfer verzeichnen. Daran erinnert das Fliegerdenkmal auf der Wasserkuppe. Startmannschaften an Gummiseilen wurden schelmisch als Gummihunde bezeichnet. Ausziehen, laufen, los hieß es auch beim Rhönwettbewerb 1937 der im Nachhinein zur ersten Segelflug-WM ernannt wurde. 22 Teilnehmer aus sieben Nationen waren in Hangaufwind und pulsierende Thermik unterwegs. Heini Dittmar nachträglich zum erster Weltmeister der Segelfluggeschichte berufen. Der Deutsche war mit dem mythischen Fafnir II unterwegs.

Zu den Fliegerlegenden die, die Rhön in aller Welt bekannt machten, zählten Günther Groenhoff, Heini Dittmar, Wolf Hirth. Rhönvater Oskar Ursinus, nebst Fliegerlegenden wie Gottlob Espenlaub und Alexander Lippisch prägten maßgeblich die Geschichte der Wasserkuppe. Dabei entwarfen und bauten die Pioniere der Wasserkuppe unter schwierigsten räumlichen Bedingungen neue Fluggeräte, die ab und an auch zu Bruch gingen.

Das Jubiläumsjahr wird den großen Fortschritt im Segelflug in den vergangenen einhundert Jahren deutlich belegen. In der Gegenwart sind Segelflugzeuge hochwertige Sportgeräte. Selbst bei den großen Brüdern, den Verkehrsflugzeugen von Boeing und Airbus sind Techniken, Profile und Materialien zu finden, die in der Segelflugzeug- Produktion ihre Anfänge fanden.

Die Ausrichter hoffen dass die Teilnehmer gute Wetterbedingungen über Hessen, Bayern und Baden-Württemberg vorfinden. Die Piloten müssen sich in der Flugtaktik etwas umstellen. Alle vorangegangenen Grand Prix Finale wurden in Frankreich, Neuseeland und Chile im Hochgebirge ausgetragen. Im Jahr 2011 werden Landschaften der Mittelgebirge die Taktik der Luftsportler bestimmen. Wenn die gefürchtete „Knofe“ (Nebel) ausbleibt, ist über der Wasserkuppe mit exzellenter Thermik zu rechnen. Dabei haben die Grand-Prix Teilnehmer im Umfeld der Rhön noch genügend freien Luftraum zur Verfügung.
Chancen das Grand Prix Finale in der Öffentlichkeit attraktiv darzustellen stehen gut. Im Einzugsbereich vom Großraum Frankfurt, Würzburg, Fulda und im Herzen Europas ist die Wasserkuppe ein echter Zuschauermagnet. Für Naturliebhaber und Wanderer ist das Biosphärenreservat (Naturschutzgebiet) ein echter Anziehungspunkt.
Kulturell können nicht nur die internationalen Gäste voll auf ihre Kosten kommen. Weimar, Eisenach und weitere Städte laden zur Zeitreise durch die deutsche Geschichte ein. Echte Segelfluggeschichte präsentiert das Segelflugmuseum der Wasserkuppe. In aller Ruhe kann man darin spannende Entwicklungen des Segelflugs nachvollziehen. Raritäten wie Rhönsperber, Kranich 2, Habicht, Minimoa; Phönix und andere wertvolle Exponate stehen für die Segelfluggeschichte. Auch die legendäre Ka-6, die unterhalb der Wasserkuppe in Poppenhausen hergestellt wurde, ist unter den 50 ausgestellten Exponaten zu finden.

Mit einem Tag der Hersteller werden Deutschlands Segelflughersteller ihre erstklassigen Produkte dem Fachpublikum und wissbegierigen Besuchern vorstellen. Den Grand Prix Ausrichtern wollen den Segelflugsport einer breiten Öffentlichkeit repräsentativ nahebringen. Als Moderator wurde Karl Senne gewonnen. Der ehemalige Moderator des ZDF Sportstudios und langjähriger Sportchef des ZDF wird die Luftrennen anschaulich vermitteln. Nicht nur geschichtlich hat die Wasserkuppe für Senne eine große Ausstrahlung. „Er muß es wissen“. Denn immerhin begleitete er mehrere Segelflug Rekord –Expeditionen in aller Welt. Mit dem Ostheimer Walter Binder war Senne als Copilot bei Dreiecksflügen von bis zu 1264 km vom Startpunkt Alice Springs/Australien unterwegs. Der mittlerweile 77-jährige schaffte es den Segelflug mit spannenden Reportagen in den Fokus der Öffentlichkeit zu stellen. „ Wenn die 15-Meter Flugzeuge mit langen Wasserfahnen dem Ziel entgegen schweben wird die Faszination des Segelflugs deutlich sichtbar werden“, so Karl Senne.

Es ist geplant, dass die GP Luftrennen live im Internet für Zuschauer aus der ganzen Welt verfolgbar sein werden. Die IGC versucht derzeit mit der englischen Firma Yellow Brick einen entsprechenden Vertrag zu schließen
Damit das Grand Prix Finale einen guten Ablauf findet wurde ein Kern- Organisationsteam gegründet. Für die Allgemeine Organisation (General Manager) steht Bernd Burkhart. Für die Abwicklung des Flugbetrieb/Bodenorganisation ist Harald Jörges als Leiter der Flugschule auf der Wasserkuppe verantwortlich. Von der GFS (Dachverband der segelflugsporttreibenden Vereine) vertritt Dr. Manfred Neidert die Wasserkuppe. Mike Köster ist für die DAeC/Buko (Bundeskommission Segelflug) dabei. As erfahrener WM-Pilot und Wettbewerbsleiter mehrerer Deutschen Meisterschaften wirkt Hanno Obermayer als Competition Direktor mit. Von der IGC wird noch ein Steward und eine Referee dazu kommen. Voraussichtlich sind dies Brian Spreckley (GB) und Roland Stuck aus Frankreich. Am 17. +18.1. wurde bereits die Briefmarke '100-Jahre Segelflug' in Berlin vorgestellt.

Das Grand Prix final findet statt vom:
Samstag dem 23. Juli bis zum Samstag dem 30. Juli

Infus unter der Website:
http://sailplane-grandprix-2011.aero/

PDF download
Gratis Download Adobe Reader
Bild1: Mit langen Wasserfahnen werden die Segelflieger hoffentlich zahlreich zur Wasserkuppe zurückkehren

Bild2:Auf dem deutschen Traditionsberg der Segelflieger der Wasserkuppe/Rhön findet vom 23.Juli- bis 30. Juli 2011 das Grand Prix Finale der IGC statt.
Bilder zum Downloaden anklicken